| Unser aller Mitgefühl gilt den Familien und Freunden der jungen Menschen, die bei der Love Parade am 24. Juli auf grauenhafte Weise ums Leben gekommen sind. Die Frage nach dem „Warum“ ist für die Hinterbliebenen existenziell. Wenigstens wollen sie wissen, welche Umstände zum Tod ihrer Liebsten geführt haben und welche Fehlentscheidungen die Katastrophe bewirkten. Die meist verwendeten Begriffe in der sehr umfangreichen Berichterstattung waren Schuld und Verantwortung. Bisher waren alle, die an der Planung und Durchführung der Love Parade beteiligt waren – vom kleinen Beamten bis zum Organisator und letztlich dem Kulturminister – offensichtlich von der Angst beseelt, dass die Übernahme von Verantwortung für das eigene Handeln einem Schuldeingeständnis gleichkommt. Das bizarrste Beispiel dafür ist wohl das Verharrungsvermögen des Oberbürgermeisters. Die Wut über das kollektive Abtauchen aller im weitesten Sinne Verantwortlichen hat die Schuldfrage in einer Weise emotionalisiert, die eine objektive Aufklärung der Umstände sicherlich stark erschweren wird. Zum aktuellen Zeitpunkt wollen wir uns nicht an den Debatten um die Ursachen der Katastrophe beteiligen. Solange die Fragen von Schuld und Verantwortung nicht juristisch geklärt sind, hat dies unserer Meinung nach wenig Sinn. Bereits jetzt gibt es Initiativen zur Gründung von Arbeitskreisen, um die gesetzlichen Grundlagen für Massenveranstaltungen zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten. Aber: Unzählige Freiwillige aus der Branche haben in Jahrzehnten ein Regelwerk für die Durchführung von Veranstaltungen geschaffen, für das wir in der Welt beneidet und gleichzeitig gefürchtet werden. Soll das jetzt hinfällig sein, weil niemand zugeben will, dass er oder sie die bestehenden Gesetze ignoriert hat? Denn dass sie ignoriert wurden, steht ja bereits jetzt außer Frage. Unabhängig von Schuld und Verantwortung wird die Frage, wie weit die kommerzielle Ausbeutung bei der Suche nach Spaß und Abwechslung akzeptabel ist, sicherlich auch neu gestellt werden müssen. Mit dieser Ausgabe der BTR laden wir Sie vornehmlich ins Veranstaltungsleben „indoor“ ein. „Theater der Welt“ war zu Gast im Ruhrgebiet und zeigte den Besuchern vielfältige neue Perspektiven auch multimedialen internationalen Theaters. In der Deutschen Oper wurde „Otello“ in einem Bühnenraum gespielt, der ein „Menschenlager“ darstellt. Nicht alle Ideen wurden von der Baubehörde genehmigt, hier gab es klare Verantwortlichkeiten! Theaterneubauten in Deutschland sind rar geworden, umso mehr freuen wir uns über den neuen, lichten Kubus in Gütersloh! Auch im internationalen Maßstab werden kleinere und energieeffiziente Projekte zahlreicher – so zu erleben auf der internationalen Theaterarchitektur-Konferenz in London. Der menschliche Maßstab macht es leichter, Verantwortlichkeiten zu benennen.
Hoffen wir, dass dies auch bei Aufarbeitung von Duisburg gelingt.
Ihre Redaktion |